Konturen einer Stadt

TYPISCH MÜNCHEN! // PLAKATGESTALTUNG

TYPISCH MÜNCHEN!

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Aus dem Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 17.05.2010 
Daisy, das Mistvieh. Valentin war kein Problem, die Frauenkirche ging, die Brezn auch und der Olympia-Dackel. Aber wie soll man Daisy als Silhouette darstellen, dieses winzige Büschel Hund mit der Schleife oben am Kopf, das von Mosi selig jahrelang durch München getragen wurde? Leonie Röcker seufzt, dann lächelt sie. Hat ja schließlich doch noch geklappt: Eindeutig Daisy, da rechts auf dem Plakat. Daisy, die Brezn, die Frauenkirche und Valentin werben vom heutigen Dienstag an in ganz München für die neue Dauerausstellung des Stadtmuseums, die am 6. Juni eröffnet wird.

Geschaffen hat die Plakatserie eben jene Leonie Röcker, was aus mehreren Gründen bemerkenswert ist: Sie ist erst 25 Jahre alt, sie ist Studentin an der Fachhochschule, Kommunikationsdesign, sechstes Semester, und sie hat dennoch den richtig großen städtischen Auftrag an Land gezogen.

Und jetzt, nach einem Jahr Arbeit, da habe sie „schon ein bisschen Herzklopfen“, sagt Leonie Röcker, wenn sie daran denke, dass ihre Plakate in der ganzen Stadt zu sehen sein werden, eines sogar riesig im Rosental, neun auf sechs Meter: „Das ist größer als meine Wohnung.“

„Typisch München“ wird die Ausstellung heißen, und sie will alles andere als stadthistorische Schönfärberei betreiben: „Wir wollen München in allen Facetten zeigen, natürlich die schönen Seiten, aber auch die widersprüchlichen, fragwürdigen, fürchterlichen“, sagt Thomas Weidner, der die Schau konzipiert hat. Dem folgt Leonie Röckers Plakat-Idee – jeweils zwei anerkannten, positiven Symbolen für die Stadt wird ein drittes gegenübergestellt, das umstritten ist, belächelt oder gefurchtet wird: Die Frauenkirche, der Chinesische Turm – und eine Moschee. Ein Haferlschuh, ein High Heel – und ein Paar Nazi-Stiefel. Die Simplizissimus-Bulldogge, der Olympia-Dackel – und Daisy.

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